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Internationales Folkeboot IF SWE 1924 ISABELLE

20er Jollenkreuzer (mod.) R 461 LILULEJ



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Stabilitätskonzepte


Ergebnis unterschiedlicher Wege

Folkeboot oder Jollenkreuzer? Technisch bedeutet dies vor allem die Wahl zwischen Gewichtsstabilität und Formstabilität. Wind und Wellen haben die Tendenz ein Schiff aus seiner Schwimmlage zu drehen und umzuwerfen (zu kentern). Stabilität ist seine Fähigkeit dem entgegen zu wirken. Sie ist abhängig von seiner Form und Größe, Masse, Masseverteilung, Schwimmlage, Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit. Große Segel bedingen hohe Stabilität. Um solche zu erreichen gibt es traditionell zwei Wege: Entweder man macht es tief und schwer wie ein Stehaufmännchen (gewichtsstabil) oder breit wie eine Schale (formstabil). Je breiter das Schiff ist, desto effektiver ist zusätzliche Gewichtsverlagerung nach Bedarf (austrimmen).



Bootstypen


Folkeboote sind vorwiegend gewichtsstabile Boote mit gemäßigtem Tiefgang durch hohen Ballastanteil in einem festen, langgestreckten Kiel. Es gibt sie im engeren Sinne in zwei festgelegten Entwürfen, die (Nordischen) Folkeboote von 1942 und die IF-Boote von 1967. Gedacht waren sie vor allem für die schwedischen Küstengewässer, haben aber weit darüber hinausgehende Verbreitung gefunden.

Jollenkreuzer sind rein formstabile Boote mit gemäßigter Breite durch Beschränkung auf einen Rumpf und sehr geringem Mindesttiefgang. Die zum Segeln notwendige, der seitlichen Windabdrift entgegen gerichtete Kraft erzeugen sie mit ausschwenkbaren Mittelschwertern an Stelle eines Kieles. Es gibt sie der Grundform nach spätestens seit den 1910er Jahren, vor allem in Norddeutschland, in vielen unterschiedlichen Entwürfen. 20er Jollenkreuzer (R-Boote) sind eine von vier Größenklassen. Bei ähnlicher Rumpfgröße sind sie viel leichter und wendiger als Folkeboote und können prinzipiell höhere Geschwindigkeiten erreichen (bei glattem Wasser, wohlgemerkt).


Möglichkeiten und Grenzen


Folkeboote segeln sich lässig auch bei starkem Wind und hohen Wellen. Sie gehen weich durch die See und zunehmende Schräglage (Krängung) erfordert in weiten Grenzen nicht mehr als sicheren Halt ihrer Besatzungen. Jollenkreuzer müssen aufmerksam ausgetrimmt werden. Ihre Besatzungen müssen jederzeit in der Lage sein, die krängende Wirkung der Segel innerhalb von Sekunden zu reduzieren. Ihre Grenzen liegen seewärts und kritisch ist vor allem Wellengang. Dafür können sie über Untiefen bis etwa 50 cm einfach hinweg fahren. Bei Grundberührung klappen die Schwerter hoch, was bei geeigneter Bauweise kein Problem bedeutet. Folkebootsegler müssen sorgfältiger navigieren und Grundberührungen vermeiden. Ihre Grenzen liegen landwärts, meist bei 1,50 m Wassertiefe (bei vielen moderneren Kielbootstypen sind es eher 2 m).

Jollenkreuzer können bereits vom Winddruck kentern, aber Folkeboote können sinken. Dichtigkeit, unten wie oben, ist gefragt und im Notfall ist rasche Lecksicherung eine kritische Fähigkeit. Jollenkreuzer hingegen können mit überschaubarem Aufwand so eingerichtet werden, dass sie auch bei vollständiger Flutung des Rumpfes nicht mehr als zur Hälfte eintauchen. Wiederaufrichten und Lenzen mit Bordmitteln ist die Königsdisziplin ihrer Notfallpläne. Die einen fahren ‚totes Gewicht‘ in Form von Eisenballast und Rettungsfloß spazieren, die anderen ‚toten Raum‘ in Form von Notauftriebskörpern. Beide Wege (es gibt noch andere) bringen große Vor- und Nachteile mit sich, aber ohne ausreichende Antwort auf die Frage nach Stabilität gibt es kein Segeln und keine Schifffahrt.

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Diese Seite wurde am 5.9.2018 aktualisiert.

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